25. November 

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

 

 Textfeld: Susanne Müller, Gleichstellungstelle Stadt Coburg Alljährlich am 25. November findet der von den Vereinten Nationen deklarierte Internationale Tag zur Beseitigung jeder Form von Gewalt gegen Frauen statt. Hintergrund für die Entstehung des Aktionstages war die Verschleppung, Vergewaltigung und Ermordung von drei Frauen im Jahr 1960  in der Dominikanischen Republik durch Soldaten des ehemaligen Diktators Trujillo. Seit dem 25. November 1981 wird weltweit durch Aktionen,  Veranstaltungen und Initiativen, aber auch von staatlicher Seite, zur Beendigung von Gewalt gegen Frauen und Kindern aufgerufen.

 

Gewalt gegen Frauen hat viele Facetten. Der erste Gedanke mag vielleicht in die Richtung der Opfer sexueller Übergriffe von Fremden gehen, doch das am meisten tabuisierte Thema ist nach wie vor die häusliche Gewalt gegen Frauen.

 

Gerade zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen rufen viele Stellen daher dazu auf, das Thema verstärkt in das Bewusstsein zu rücken.

 

Häufig wird das Thema häuslicher Gewalt gegen Frauen nicht nur verschwiegen, sondern vor allem auch verharmlost und als ein Kavaliersdelikt angesehen. Doch egal, in welchem Verhältnis Täter und Opfer zueinander stehen, bleibt die Ausübung von Gewalt gegen einen anderen Menschen eine Straftat.

 

SAT11C1Auch in Coburg gibt es viele Stellen, die sich dieser  Thematik annehmen - und das nicht nur am Aktionstag. Der Arbeitskreis „Keine sexuelle Gewalt. Hilfe für Frauen, Jugendliche und Kinder“, in dem Beratungsstellen, Einrichtungen, Institutionen,   und auch engagierte Einzelpersonen vertreten sind, besteht seit mehr als 20 Jahren in Coburg. Dieser Arbeitskreis wendet sich Betroffene und deren Angehörige und bietet fachliche Unterstützung an.

 

Mit verschiedensten Veranstaltungen,  wie Lesungen, Ausstellungen, dem Puppen-Theater „Die Katzen und Mrs. Murr“ uvm. wurde in den letzten Jahren das brisante Thema häusliche Gewalt immer wieder aus unterschiedlicher Sichtweise aufgenommen.  Für 2012 plant der Arbeitskreis wieder unterschiedliche Projekte,  die primär im Zusammenhang mit der Gewalt in Partnerschaften stehen.  Noch zu oft wird das Thema verharmlost. Effektive Hilfe braucht auch ein effektives Netzwerk der Hilfestrukturen – von Polizei über Interventionsstellen bis hin zum Frauenhaus, Jugendämtern, Staatsanwaltschaften, Straf- und Zivilgerichten sowie Vereinen und Verbänden, die mit ihren flankierenden Maßnahmen die Opfer über ihre Rechte und vorhandene Hilfsangebote informieren.

 

Im Rahmen dieses weltweiten Aktionstages wird  speziell mit dem Hissen einer Fahne von „Terre de Femmes“ am Coburger Marktplatz, vor dem Rathaus, aufmerksam gemacht.

 

In einem kürzlich geführten Beratungsgespräch schilderte eine Mutter, dass ihr 16 jähriger Sohn bei Konflikten persönliche Gegenstände von ihr zerstört, sie schubst und knufft, so dass sie blaue Flecken hat und aufs Übelste beschimpft.

 

Textfeld: Markus Reißenweber Polizeiinspektion CO Sie meinte, sie dürfe ihn mit Grenzsetzungen und Verboten, keinesfalls provozieren, denn dadurch werde sein Verhalten  immer heftiger. Sie hat Angst vor ihm und schließt nachts ihre Schlafzimmertür ab. Im weiteren Verlauf des Gesprächs berichtete die Mutter, dass sie in der ersten Ehe erlebt habe, dass der Ehemann jahrelang mit einem Messer unter dem Kopfkissen geschlafen hat  ... und wenn sie nicht machte, was er wollte, hatte sie das Messer an ihrem Hals.

  

Nirgends ist das Risiko für Frauen größer, Opfer eines Gewaltdeliktes zu werden als im eigenen Zuhause. Egal in welcher Stadt oder auf welchem Dorf sie wohnen, egal welcher sozialen Schicht sie angehören.

  

Textfeld: Erna Rank-Kern, DW Beratungsstelle Häusliche Gewalt und  Gewalt in Beziehungen,  gilt weltweit als eines der größten Gesundheitsrisiken für Frauen und Kinder. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa jede fünfte Frau im Laufe ihres Lebens geschlechtsbezogene Gewalt mit Folgen für ihre Gesundheit erlebt. Für Kinder ist allein das Miterleben, das Mitansehen und Mitanhören von Gewalt im häuslichen Umfeld dramatisch für ihre Entwicklung.

  

Häusliche Gewalt und Gewalt in Partnerschaften, ist keine Randerscheinung in unserer Gesellschaft. Sie ist ein Problemfeld, das in seiner Dimension oft unterschätzt wird.

 

Viele  Frauen nehmen das, was sie erleben, nicht als Gewalt wahr. Mal gestoßen, angeschrien, beschimpft zu werden, als verrückt bezeichnet zu werden, ist für sie im Alltag „normal“. Sie schämen sich dafür, dass sie so behandelt werden und meinen, es läge an ihnen, dass ihr Mann/ Partner sich so verhält.

 

Textfeld: Frauenhaus Notruf Dies ist in Gewaltbeziehungen ganz typisch. Frauen, die häusliche Gewalt erleben, sprechen meist nicht von sich aus darüber. Sie schweigen aus Scham- und Schuldgefühlen, aus Angst oder weil sie das Unverständnis und die Ablehnung  ihrer Umwelt fürchten. Das blaue Auge stammt von der geöffneten Küchentür, die einfach nur im  Weg war.

 

Was ist häusliche Gewalt:

 

Physische/körperliche Gewalt: Schlagen, Stoßen, Treten, Würgen, Fesseln, mit Gegenständen bedrohen und verletzen, Essensentzug, Herbeiführen von Verbrennungen.

 

Psychische Gewalt:Beschimpfungen, Erniedrigungen, Drohungen, für verrückt und psychisch krank erklären, Kinder als Druckmittel einsetzen, Schlafentzug, ständiges Kontrollieren, Belästigungen, Erpressung, Drohungen, Missachtung von Bedürfnissen, Einschüchterung.

 

Sexualisierte Gewalt: Erzwingen sexueller Handlungen mit Gewalt, mit Bedrohungen oder sonstiger Druckmittel, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung.  

 

Soziale Gewalt: Einsperren, Kontaktverbot zu Freunden und Verwandten, soziale Isolation, Kontrolle.

 

Verbale Gewalt: Einschüchterung, Beleidigung und Demütigung.

 

Ökonomische Gewalt: Entzug von Geld, Arbeitsverbot oder der Zwang arbeiten zu müssen, Kürzung, Vorenthaltung oder Entziehung von Geld, Kredit- und Scheckkarten, Kontozugang.

  

Häusliche Gewalt macht krank!

  

Textfeld: Notarzt .... Gesund-heitliche FolgenÜber die direkten Verletzungsfolgen hinaus sind die kurz- und langfristigen Folgen von Gewalt im sozialen Nahraum von besonderer Bedeutung. In vielen nationalen und internationalen Studien hat sich gezeigt, dass Frauen ( und Männer !), die im Erwachsenenleben und/oder in der Kindheit von Gewalt betroffen waren, in wesentlich höherem Maße an körperlichen und psychischen Beschwerden leiden wie z.B. Schmerzsyndromen, Depressionen, Stresssymptome, Angststörungen, Essstörungen, Suchtmittelmissbrauch.

  

Die Aufgabe des Staates und unserer Gesellschaft ist es, die Ursachen von Gewalt gegen Frauen, von häuslicher Gewalt, von Gewalt in Beziehungen ( auch Männer sind als Opfer betroffen, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie Frauen ), zu bekämpfen.

 

Wichtig sind deshalb:

 

·         Frauenhäuser, die misshandelten Frauen und ihren Kindern Schutzraum bieten. Jedes Jahr flüchten ca. 30 bis 50 Frauen und 50 bis 60 Kinder  in das Coburger Frauenhaus.

 

·         Polizeiliche Maßnahmen,  wie Platzverweise und  Wegweisungen des Gewalttäters. Beratung und Unterstützung der Betroffenen und eine konsequente Strafverfolgung der Täter.

 

·         Textfeld: Ursula Geiger Gesundheitsamt Coburg Zivilrechtliche Maßnahmen im Sinne des  Gewaltschutzgesetzes, die richterliche Beantragung der Zuweisung der (Ehe)-Wohnung an das Opfer und Näherungsverbote, die gegenüber dem Täter ausgesprochen werden.

 

Alle diese Maßnahmen machen deutlich, dass häusliche Gewalt, die sich innerhalb von Beziehungen im häuslichen bzw. privaten Umfeld ereignet, keine Privatsache ist!

 

Den von häuslicher Gewalt Betroffenen fällt es oft sehr schwer, sich aus der Spirale mit Gewaltausbrüchen und immer neuen Entschuldigungsphasen zu lösen. Gerade zu Beginn benötigen diese Opfer individuelle Hilfe und Unterstützung.

  

Häusliche Gewalt ist in Europa die Hauptursache für den Tod oder die Gesundheitsschädigung bei Frauen zwischen 16 und 44 Jahren. Damit rangiert häusliche Gewalt noch vor tödlichen Krebsleiden oder tödlichen Verkehrsunfällen ( Quelle: www.humanrights.ch).

 

Eine deutsche Prävalenzstudie aus 2004 zu Gewalt gegen Frauen in Deutschland (broschürenstelle@bmfsfj.bund.de)  sagt, dass in Deutschland 25% der Frauen im Alter zwischen 16 und 85 Jahren körperliche und /oder sexuelle Gewalt durch einen Beziehungspartner erlebt haben. 

 

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